Angekommen in Livingstone - unsere ersten Tage

Unglaublich, wie viel man innerhalb von 4 Tagen erleben kann. Eindrücke und noch mehr Eindrücke gilt es zunächst einmal zu verarbeiten. Der Hinflug scheint bereits eine Ewigkeit zurückzuliegen, vielleicht auch deswegen, da er zum Glück, jedoch auch wider Erwarten ohne Zwischenfall von der Bühne lief. 11 Stunden Nachtflug von Frankfurt bis Livingstone vorbei an tropischen Gewittern über der Sahara, sternenreichen Nachthimmeln über dem Kongo und einem beeindruckenden Sonnenaufgang über Südafrika lieferten schon einen ersten interessanten Eindruck von Afrika, wenn auch nur aus der Luft aus. Die 2 Stunden Flug nach Livingstone liefen ebenfalls ohne Probleme ab, spektakuläre Ausblicke auf einen Teil der simbabwischen Kalahari und den Sambesi inklusive, für einen ersten Blick auf die Viktoriafälle saßen wir allerdings leider auf der falschen Seite im Flugzeug.

Passkontrolle und Visumstempel... läuft! Auch unser Gepäck hat den Weg nach Livingstone überstanden und so stehen wir in der Eingangshalle des überschaubaren Livingstone International Airports mit einem riesigen Gepäckberg, jeder über 60kg! Darunter sehr viel Sportausrüstung für unsere Projekte. Abgeholt wurden wir von Nina (nicht zu verwechseln mit meiner Projektpartnerin), unserer Kontaktperson vor Ort, die uns unsere Projekte in Livingstone und Simonga organisiert hat und seit 7 Jahren in Livingstone lebt. Zwei sambische Mütter von Kindern der Acacia-School, an der Lukas und Sophie eingesetzt werden, waren ebenfalls dabei und begrüßten uns herzlich. Unser Bedenken, dass das Gepäck nicht vollständig ins Auto passt, wird schnell vom sambischen Prakmatismus bei Seite gelegt und so geht’s vollgepackt bei gewöhnungsbedürftigem Linksverkehr zu unser Unterkunft. Sie befindet sich lediglich 10min Fahrzeit vom Flughafen entfernt und schaut zumindest von außen sehr vielversprechend aus. Da sich unsere Unterbringung erst wenige Tage vor Abreise geklärt hat, sind wir bereits darauf eingestellt, zumindest die ersten Tage oder Wochen mit einer minimalen Grundausstattung auszukommen, heißt für mich unter anderem: erstmal mit Matratze auf dem Boden pennen. Auch von innen bin ich absolut überzeugt von unserem Haus, obwohl es für den Durchschnittsdeutschen vermutlich eine ziemlich heruntergekommene Bruchbude wäre: kaputte Türen, Lichter und Fenster, Löcher in den Wänden oder regelmäßige Überflutungen der Küche aufgrund durchlässiger Leitungen ist nur ein kleiner Ausschnitt davon. Für sambische und, auch wenn ich eine Verallgemeinerung in der Regel meide, auch für afrikanische Verhältnisse wohl eine pure Luxusunterkunft. Für den Kleintierliebhaber übrigens das reinste Paradies: Spinnen, Kakerlaken, Eidechsen und alles, was sonst noch durch die Türritzen passt, gibt es hier in jeder Form und Größe – gut, dass ich noch ein Moskitonetz eingepackt habe ;-) Mit 5 Stunden pro Tag ohne Strom und Wasser (da ohne Strom die Pumpe nicht funktioniert) gilt es im Moment zu leben, da der Sambesi während der Trockenzeit nicht ausreichend Wasser zur Rund-um-die-Uhr-Stromversorgung führt, aber auch das ist kein Problem, zumal jedes Stadtviertel von Livingstone einen festen Zeitplan hat wann der Strom weg ist.

Noch am Ankunftstag hat Nina uns ein wenig das Stadtzentrum von Livingstone gezeigt, zumindest die wichtigsten Dinge, insbesondere wo es was zu besorgen gibt. Da unsere Aufnahmefähigkeit doch, der langen Reise und Fülle an neuen Eindrücken geschuldet, deutliche Einbußen hinnehmen musste, konnten wir uns eh nicht alles merken.

Die beiden nächsten Tage dienten erst einmal der Akklimatisierung. Und das sowohl wegen der Eingewöhnung an die neuen Lebensumstände als auch wettertechnisch - die trockene Savannenhitze kann einem da schon schnell mal die Birne verbrennen bei über 30° jeden Tag. Wie das wohl erst während der heißen Trockenzeit in den nächsten Monaten bis etwa Dezember werden wird? Man wird sich daran gewöhnen :-) Also verbrachten wir viel Zeit im kühlen Haus oder in der Stadt, insbesondere zum Einkaufen.

Donnerstag spielten Lukas und ich mit ein paar sambischen Kindern ein wenig Fußball vor unserm Haus. Auch wenn sich der Kick nicht unbedingt auf Bundesliga-Niveau bewegte, war ich von der Begeisterung der Kinder beeindruckt, die vielleicht das erste Mal in ihrem Leben mit einem richtigen Fußball gespielt haben – eine wirklich interessante Erfahrung.

Generell hatte ich mehr Tourismus in Livingtone erwartet, auch wenn man immer wieder ein paar Touristen in der Stadt, insbesondere in den Restaurants und Cafes sieht. Die meisten haben sich wahrscheinlich in ihren 5-Sterne-Lodges etwas außerhalb von Livingstone verkrochen oder besichtigen die Viktoriafälle, wie wir Samstag selber feststellen konnten. Denn dann stand die Besichtigung der Fälle auf dem Programm. Äußerst eindrucksvoll ist der Ort an dem der viertlängste Strom Afrikas auf einer Breite von 1,7km 110m in die Tiefe stürzt, auch wenn der Sambesi zur Zeit recht wenig Wasser führt. Eine kleine Wanderung entlang der sambischen Seite der Fälle, sowie entlang der Fallkante, was zur Zeit aufgrund des niedrigen Wasserstandes möglich ist, boten immer wieder spektakuläre Tiefblicke – also auch Zeit für ein paar gute Fotos. Überraschenderweise werde ich von einem Einheimischen nach einem Foto mit ihm gefragt. Dass es eine solche Besonderheit darstellt, sich mit einem Weißen photographieren zu lassen, finde ich erstaunlich, zumal hier an den Fällen deutlich mehr Weiße vorzufinden sind. Ich selbst fühle mich ebenfalls noch sehr als Tourist, doch hoffe, diesen Eindruck über das Jahr so weit wie möglich ablegen zu können. Ich gewähre ihm ein Foto – ein Test, wie sich weiße Haut anfühlt und ob sie evtl. abfärbt ebenfalls :-D Das gute an solchen kleinen Unterhaltungen ist, dass man immer etwas über Land und Leute kennen lernt und der äußerst freundliche Eindruck, den ich bisher von den Leuten hier aus Livingstone gewonnen habe, bestätigt sich immer wieder aufs Neue.

Und auch unsere ersten Elefanten kommen uns zu Gesicht, etwas flussaufwärts auf einer der fruchtbaren Flussinseln. In jedem Fall ein paar beeindruckende Tiere, im Gegensatz zu den überall herumlaufenden Affen, muss man sich bei ihnen auch keine Sorge um seine Kamera machen ;-)

So viel zu den ersten vier Tagen hier.

Da die Ferien der Simonga Primary School erst in 2 Wochen zu Ende sind, bleibt noch etwas Zeit sich einzuleben. Morgen bis Donnerstag geht es dann in die Hauptstadt Lusaka, um unsere Employment Permits zu beantragen. Sicher ein aufregender Tripp, wie fast alles hier zur Zeit.

unsere Unterkunft
unsere Unterkunft

Mosi-Oa-Tunya - donnernde Wasser
Mosi-Oa-Tunya - donnernde Wasser

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