Projektstart - meine erste Schulwoche

Und schon wieder ist eine Woche rum, eine sehr interessante noch dazu. Los ging es mit dem ersten Schultag von Nina und mir am Montag an der Simoonga Primary School.

Bei der morgendlichen Schulversammlung stellte uns der Headteacher der Schule, Mr. Mufalali, zunächst den Schülern vor.

Zwar machten viele Schüler doch eher einen schüchternen Eindruck, insbesondere bei den jüngeren Grades (Klassenstufen), doch Neugierde und Freude war den meisten doch schon anzumerken. Unterricht fand Montag noch keiner statt. Die Schüler putzten Klassenräume und Schulhof (also die Sandfläche vor den Klassenräumen), die Lehrer, Nina und ich klärten in einem „staff briefing“ in der Bibliothek (die auch gleichzeitig Lehrerzimmer und Aufenthaltsraum ist), ein paar organisatorische Dinge bezüglich des Unterrichts ab. Außerdem lernten wir in einer Vorstellungsrunde alle anwesenden Lehrer kennen. Sehr interessant waren einige Inhalte der Besprechung, gerade unter deutscher Sichtweise betrachtet, beispielsweise wie die 50 Kwacha, etwa 4,50€ Wasserkosten pro Monat finanziert werden sollen oder wie denn am einfachsten und schnellsten 10 Kopien des Stundenplans gemacht werden können.

Mit Mr. Mufalali einigten wir uns darauf, jeweils in der 1. Stunde sowie nachmittags mit je verschiedenen Grades a 30 – 50 Schüler, maximal aber 2 Grades, Sport zu machen. Da die Jungs aus Stufe 7 bis 9 auch ein eigenes Fußballteam haben, werde ich nachmittags vorzugsweise als Fußballcoach tätig sein. Außerdem werde ich zunächst noch die 8. Klasse in Science unterstützen, Nina Grade 9 in Computer, was hier ausschließlich theoretisch unterrichtet wird. Um unsere Sportstunden in den allgemeinen Stundenplan zu integrieren und auch, um den alten Plan, der unter vielerlei Aspekten nicht der intelligenteste Plan war, entwarfen Nina und ich einen neuen Stundenplan. Der 1. Schultag war zwar nicht sonderlich lang, dennoch reich an neuen Eindrücken.

Dass mich der 2. Tag in der Schule bereits auf eine harte Probe stellen würde, hätte ich nicht erwartet. Sport sollte diesen Morgen noch nicht stattfinden. Daher konnte ich mir den Scienceunterricht von Mr. Kasambelika in Grade 8 angucken. Die Besprechung der Tests des letzten Terms stand auf dem Plan. Nach einiger Zeit sollte ich mich mal an der Besprechung der letzten Aufgabe versuchen – soweit kein Problem, auch wenn sich sambisches und deutsches Englisch oft nicht perfekt verstehen. Als Mr. Kasambelika daraufhin die Klasse verließ und mir sagte, ich solle mal weitermachen, ließ er mich noch in dem Glauben er würde gleich wiederkommen – Fehlanzeige. Also was macht man, wenn man mit 35 Achtklässlern allein gelassen wird, ohne Plan, wie der Unterricht in Sambia abläuft? Einfach ein wenig über Photosynthese sowie die Funktionen von Zellorganellen improvisieren (ein Hoch auf meinen ehemaligen Bio-LK) ;-) Immerhin war dies Bestandteil des letzten Tests der 8er und ich konnte vorher noch einen kurzen Blick in das Science-Buch werfen, dennoch: Ins kalte Wasser geworfen werden kann man das nicht mehr nennen...

Am dritten Schultag haben wir uns auf Sportunterricht mit Grade 2 vorbereitet. Ergebnis: ca. 120 Schüler aus Grade 2,4 und 5 :-D Nun ja, unsere Spiele, die wir für etwa 40 Kinder vorbereitet hatten, konnten wir erst einmal über den Haufen werfen. Und selbst die einfachsten Spiele, die uns einfielen, endeten in mehr oder weniger großem Chaos. Doch das Schöne an der Sache ist, dass die meisten Kinder auch ohne irgendwelche Spielregeln Spaß daran haben sich zu bewegen.

Donnerstag war dann unser erster Unterrichtstag, der mal wie geplant ablief. Am Morgen Sportunterricht mit Grade 5, was super funktioniert hat, sodass wir auch ein paar anspruchsvollere Spiele ausprobieren konnten. Später eine Doppelstunde Science, die ich dann von der Schulbank verfolgen durfte. Am Nachmittag Fußball mit dem Fußballteam, was mich besonders begeistert hat, da die Spieler echt sehr gut waren. Gerade mit den widrigen Bedingungen des Platzes kamen sie bestens zurecht, auch wenn ein Bodenpass mal schnell zum Flugball werden kann oder überhaupt nicht ankommt, da er im Sand stecken bleibt. Doch ich käme nicht aus dem Weltmeisterland, wenn ich nicht durch die ein oder anderen Dribblings und Tricks deutsche Fußballklasse unter Beweis stellen musste :-D

Für die nächste Science-Stunde soll ich das nächste Thema vorbereiten und dann Montag die Klasse darin unterrichten. Freitags werden wir voraussichtlich keine Schule haben, allerdings würden Nina und ich dann gerne unser ursprüngliches Projekt, „Samba Land“ unterstützen. Nina B. versucht dies nun für uns in die Wege zu leiten.

Livingstone soll eine Stadt mit über 100.000 Einwohnern sein. Dies erscheint sehr seltsam, wenn man bedenkt, wie viele bekannte Gesichter man nach nicht einmal vier Wochen in der Stadt trifft, ob beim Einkaufen, Feiern oder Essen gehen. Die Offenheit der Menschen hier trägt sicherlich einiges dazu bei, dass wir so schnell so viele neue Leute kennen gelernt haben.

Die nächsten Wochenenden sind bereits ziemlich zugeplant mit Ausflügen und sonstigen Vorhaben, gibt es doch noch sehr viel zu sehen hier in der Region. Da kommt Nina und mir das 3-Tage-Wochenende noch sehr entgegen. Nächsten Samstag: Livingstoner Oktoberfest :-D


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