Von Ausflügen voller Eindrücke und eindrucksvollen Schultagen

Jede Menge war mal wieder los, so viel, dass ich es seit knapp einem Monat nicht mehr geschafft habe den nächsten Artikel zu schreiben.

Tatsächlich ist mittlerweile schon Ninas und meine 5. Schulwoche rum, vor genau zwei Monaten ging es los aus Deutschland.

Doch alles der Reihe nach. Um an meinen letzten Artikel anzuknüpfen: Das Livingstoner Okoberfest konnte ich leider nicht besuchen, da ich krankheitsbedingt bereits die komplette 2. Schulwoche aussetzen musste. Doch viel Oktoberfestflair sollte das Fest oder „beer festival“ sowieso nicht haben, wie mir die anderen berichteten. Das Gute am Feiern oder essen gehen an den Wochenenden ist, dass man viele neue Leute trifft. So haben wir ein paar neue Freunde im Fairmount-Club in Livingstone kennengelernt, mit denen wir bereits ein paar Trips unternommen haben und mit denen wir jetzt jeden Dienstag- und Donnerstagabend Fußball und Volleyball spielen. Andere Sambier und Freiwillige aus aller Welt sind auch dabei, was ebenfalls eine super Möglichkeit bietet, sich international auszutauschen und Erfahrungen zu sammeln. Erste Angebote von lokalen Vereinen gab es auch schon! Eventuell lassen sich ja noch günstige Vertragsbestimmungen aushandeln ;)

Froh war ich dann, als ich die kommende Woche dann wieder zur Schule gehen konnte. Freudig wurde ich von Lehrern und Schülern in Empfang genommen. Sport- und Scienceunterricht konnte ich wieder aufnehmen. Gerade der Scienceunterricht bringt doch einige Vorteile mit sich: So trägt das Unterrichten von Osmose oder Atomphysik doch sehr zur Verbesserung meines Englisches bei. Ein paar Deutschstunden habe ich ebenfalls schon unterrichtet, und die haben vor allem einen Vorteil: jede Menge Spaß. Sambisches Deutsch ist wahrscheinlich einer der lustigsten Akzente, die es gibt. Für die Schüler vermutlich in etwa das Gleiche, wenn mich an ein paar Wörtern und Sätzen Nyanja, Chitonga oder Lozi versuche, die drei gängigsten Sprachen in der Region und dennoch nur drei von insgesamt über 80 Sprachen, die in ganz Sambia gesprochen werden.

Das Fußballteam freute sich darüber wieder trainieren zu können. Auch wenn es (gerade für mich) nicht immer einfach ist bei zum Teil 40° in praller Sonne auf Sand und starker Platzneigung ausdauernde Sprints hinzulegen, macht es trotz der widrigen Bedingungen in Simonga riesen Spaß mit den Jungs zu kicken. Ab und zu muss allerdings auch mal ein „Beware of the goats!“ die Schüler zur Vorsicht mahnen vor tierischen Flitzern ;-) Größten Respekt habe ich übrigens davor, dass die meisten hier barfuß spielen. Einmal ausprobiert und nicht länger als 10min ausgehalten, nachdem gefühlt 30 Dornen in meinen Füßen steckten und der heiße Sand die Fußsohlen leicht ansenkte. Hart im Nehmen sind die meisten hier...

Übrigens: Unser Schulweg geht direkt durch das Mosi-oa-Tunya-game-reserve, also quasi Safari jeden Morgen und Nachmittag. Ob Elefanten, Giraffen, Zebras, Gnus, Warzenschweine, Impalas oder noch viele andere afrikanische Wildtiere – spannend ist die Fahrt allemal. Ein Verspätungsgrund wie: „Mir ist eine Herde Elefanten über den Weg gelaufen!“ wird wohl auch nur in Simonga akzeptiert...

Am Sonntag, den 27. Sptember haben wir unsern nächsten Ausflug unternommen. Tagesziel: Viktoriafalls-Bridge und Simbawe (hört sich weiter an als es tatsächlich ist: bis zur Grenze sind es lediglich 15km). Den simbabwischen Grenzposten haben wir allerdings nicht passiert, die 30 Dollar Visagebühren sind doch etwas überzogen. Bitter auch deshalb, da man, um sich den simbabwischen Teil der Viktoriafälle, der gerade in der Trockenzeit der interessantere Teil ist, da fast das gesamte Wasser zu dieser Zeit an den Main-falls und im Devils cataract in die Tiefe stürzt, sowohl Visagebühren als auch für den Eintritt zu den Fällen nochmals 30 Dollar zahlen muss. Für ein Naturschauspiel überhaupt Eintritt zu zahlen, finde ich schon sehr hirnrissig, aber der Tourismus ist eben doch die Haupteinnahmequelle hier in der Region.

Die im Niemandsland, also zwischen beiden Grenzposten, gelegene Brücke (und daher auch eintrittsfrei) ist allerdings auf jeden Fall ein Besuch wert. 111m oberhalb der Sambesischlucht hat man einen super Blick auf die aktuell trockenen Fälle der sambischen Seite sowie Boiling Pot (Flussbecken unterhalb der Brücke) und in die Schlucht Richtung Süden. Bungeespringer oder Gorgeswinger geben ebenfalls ein cooles Bild ab, wie sie sich von der Brücke in die Tiefe stürzen.

Zurück zum Fußball: Nach bereits mehrfach verzweifelten Versuchen von Lukas und mir die Bundesliga hier zu streamen, waren wir Dienstag und Mittwoch froh mal wieder deutsche Mannschaften in der Champions League spielen zu sehen. Die fußballverrückten Sambier haben es dann doch eher mit spanischer und englischer Liga. So durften wir uns auch einiges anhören, nachdem alle deutschen Teams von Engländer und Spaniern mit einer 2:1 Niederlage nach Hause geschickt wurden.

Ein neues Projekt steht für uns ab jetzt jeden Freitag auf dem Programm, ein Waisenhaus (Kwathu) in Livingstone, das von einer Freundin von Nina B. geleitet wird. Am Freitag schauten wir es uns erst einmal an und waren sehr beeindruckt von der doch sehr komfortablen Einrichtung sowie der Mühe und Fürsorglichkeit, mit denen sich um die Kinder gekümmert wird. Der erste und äußerst heftige Regen seit unserer Ankunft hat uns während des Ausflug im wahrsten Sinne des Wortes kalt erwischt.

Auch das ursprüngliche Projekt von Nina und mir, „Samba Land“ planten wir uns Sonntag anzuschauen, da wir eventuell auch dieses Projekt einmal in der Woche unterstützen werden. Leider kannten wir den genauen Weg nicht und landeten mit unserem Taxifahrer irgendwo im Nirgendwo, mehrere Kilometer Sandpiste außerhalb Livingstones. Doch es gibt (zumindest landschaftlich) schlimmere Orte sich zu verfahren als die sambische Savanne. Auch die Ngwenya-Community, in der sich die Organisation befindet, gibt ein eindrucksvolles Bild ab. Von touristischem Luxus ist hier nichts mehr zu sehen, Marktverkäufer, die von morgens bis abends versuchen für ein paar Cent am Tag ihre Waare loszuwerden oder Kinder, die in Müllbergen wühlen bestimmen den Alltag hier und führten uns die Realität eines Entwicklungslandes vor Augen. In Livingstone ist dies nur eine Seite der Stadt, die jedoch gerade den Touristen hier verschlossen bleibt. Unser Treffen mit dem Leiter von Samba Land mussten wir auf ein andermal verlegen.

World-Teachers-Day ist in Deutschland kaum jemandem ein Begriff, in Sambia hingegen Anlass zum Feiern. Schule viel dafür am Montag aus. Stattdessen ging es mit allen Lehrern aus Livingstone in einem bunten Umzug durch die Stadt, um im Anschluss noch 2 Stunden lebhaften Reden, Musik und Tänzen zuzuhören und zuzuschauen. Für meinen Geschmack ein wenig zu viel des Guten. Sowohl Kosten des World-Teachers-Days für z.B. aufgesetzte Kostüme als auch die Zeit, die für den Unterricht verloren geht, wären meiner Meinung nach an den Schulen deutlich sinnvoller investiert. Trotz alledem ein interessanter Tag, den wir entspannt bei Sonnenuntergang und Elefantenbeobachten im Bootclub am Sambesi ausklingen ließen.

Freitags, an Ninas und meinem freien Tag, gehe ich das ein oder andere Mal mit Sophie und Lukas zur Acacia-Schule und schaue mir ein wenig ihr Projekt an. Je mehr Eindrücke man erhält, desto mehr Erfahrungen kann man sammeln, der Kontrast zu Simonga gehört definitiv dazu. Doch auch eine wohlhabende Schule wie die Acacia ist eben eine Seite Afrikas. Entgegen vieler europäischer Vorstellungen: nicht jeder Mensch ist arm hier, was beispielsweise durch den Verwöhntheitsgrad der Kinder an der Acacia gut belegt wird.

Nachdem wir Freitag das erste Mal etwas Sport mit den Kinder im Kwathu-Waisenheim gemacht haben, verbrachten wir das Wochenende auf einer idyllischen Farm an den Ufern des Sambesi – incredibly awesome lässt es sich auf englisch beschreiben. Für Fotos checkt einfach meine Gallerie, die Eindrücke lassen sich so am besten vermitteln.

Der Samstag sah in etwa so aus: Morgens von Löwengebrüll geweckt werden, mittags im Pool chillen und Wildtiere auf der anderen Flussseite in Simbabwe beobachten, abends Sonnenuntergang über dem Sambesi genießen und nachts den spektakulären Sternenhimmel bewundern – so lässt sich leben ;)

Montag mal wieder ein krasser Kontrast zu den vorherigen Tagen. Unverhoffter Dinge wurden wir morgens vom Sohn des Headteachers abgeholt, um kurz danach zu erfahren, dass eine Schülerin am Wochenende bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Ein trauriger Tag an der Schule. Beerdigung anstatt Unterricht – für jeden Beteiligten nicht einfach, natürlich ganz besonders schwer für alle Angehörigen.

Leider passieren solche Vorfälle in einem Entwicklungsland wie Sambia deutlich häufiger als in einem entwickelten Land wie Deutschland. In den letzten Jahren seien andere Schüler bei Autounfällen gestorben oder Krankheiten und Krokodilen zum Opfer gefallen, berichtete uns unser Headteacher. Man lernt hier damit umzugehen und dies schnell zu verarbeiten.

Und auch wenn am Nachmittag noch ein Fußballmatch gegen ein paar französische Touristen stattfand, die dem Dorf 5000 Dollar spendeten und den Schülern ein paar Klamotten schenkten, stand der Tag ganz im Zeichen des gestorbenen Mädchens. Der deutliche Sieg meiner Jungs änderte daran nichts.

Eine super Wanderung bewältigten drei Freunde aus Namibia, Sambia und Holland, und ich am Freitag. Von Livingstone zu Fuß etwa 10km zur Viktoriafallsbridge. Mit super Zwischenstopp am Sambesi. Auch die nächsten Wochenenden sind schon pickepacke vollgeplant.

Kommende Woche, am 24. Oktober, dem independece-day in Sambia, soll ein Fußballspiel gegen eine Schulmannschaft von einer Nachbarschule stattfinden – mal schauen, wie sich mein Team so schlagen wird...

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