Was lief so in Simonga?

Kurz nach dem Independence Day standen für grade 7 und 9 zunächst mal die „national exams“ auf dem Programm, die beiden wichtigsten Prüfungen in der Grundschule. Jeweils dauerten diese ein bis zwei Wochen. Während dieser Zeit konnten wir zumindest den Nachmittagssport nur eingeschränkt durchführen, da von den älteren Grades nur grade 8 verfügbar war, somit auch nicht genug Spieler zum Fußball spielen anwesend waren.

Was den Vormittagssport betrifft: Der Spaß ist den jüngeren Schülern noch lange nicht abhanden gekommen. Immer wieder probieren Nina und ich ein paar neue Spiele aus – mal mit mehr Erfolg oder mehr Begeisterung mal mit weniger. Fußball bleibt als Option für den „Notfall“ sowieso immer übrig. Auch bei 40°, so heiß wie es fast die gesamte erste Novemberwoche war, kamen die Kinder zu uns mit einem schüchternen Grinsen im Gesicht: „Teacher, I'm asking for the ball!“

Mit den 8-Klässlern unterhielten Nina und ich uns häufig ganz einfach anstatt dessen über Gott und die Welt, oft erzählten wir ein wenig vom Leben in Deutschland, was teils mit Ungläubigkeit, aber auch großem Interesse aufgenommen wurde. Ein paar skurile Fragen, die mich das ein oder andere mal zum Lachen gebracht haben wurden auch gestellt. Wie viele Frauen ich denn in Deutschland hätte, ob wir in Deutschland Menschen essen oder ob es nicht gefährlich sei in Seen oder Flüssen zu schwimmen aufgrund der vielen Krokodile dort ;-) Andersrum gesehen, zeugen solche Fragen leider auch von der sehr eingeschränkten Sicht der Dinge der Menschen hier; der Sicht der Dinge von Menschen, die häufig ihr ganzes Leben in einem Land und nicht selten in einem Dorf verbringen bzw verbringen müssen, da sie keine Chance haben, zu reisen. Nun gut, zumindest bezüglich dieser Fragen konnte ich sie aufklären.

Highlight der Nachmittagsstunden mit Grade 8: „Forrest Gump“ schauen :-D

Doch auch alle anderen grades mussten noch Examen schreiben, die Science- und Computerklausur, natürlich von Nina und mir persönlich gestellt – multiple choice, versteht sich. Wiederholung von „plants and nutrients“ oder „materials and energy“ war demnach Inhalt der letzten Sciencestunden. Geschrieben wurde die Scienceklausur dann am 27. November. Obwohl die Schüler in Science vergleichsweise noch ganz gut abgeschnitten haben, die Gesamtbilanz ist doch eher ernüchternd. Unser Headmaster Chester sagte er sei froh wenn 4-5 der 30 Schüler von grade 9 bestehen, das sagt einiges. Ein Fehler des Bildungssystems oder einfach mangelnde Lern- und Arbeitsmotivation der Schüler? Ich weiß es nicht. Fakt ist, dass dies auch ein Faktor ist, der die Entwicklung Sambias nicht gerade vorantreibt.

Und noch etwas konnten Nina und ich während der freien Nachmittagszeit erledigen. Die letzte Schulwoche haben wir dazu genutzt, die Bibliothek aufzuräumen und neu zu gestalten, was nicht nur aus deutscher Perspektive gesehen bitter nötig war. Deutschem Ordnungswahn mal freien Lauf lassen – yiehaaa :-D Wie deutsch, nennen wir es mal „Neigung zur Ordentlichkeit“ wirklich ist, haben wir spätestens dann gemerkt, als die Schüler, die uns helfen sollten, mit Aufgaben wie Bücher der Größe nach zu sortieren überfordert waren. Allerdings funktioniert ein System komplett ohne Plan manchmal besser als ein zu Organisiertes, wie ich bereits beeindruckt feststellen musste in Sambia. Ganz nach dem Motto: Wenn alle immer zu spät sind, sind alle auch wieder pünktlich ;-) Seis drum, die Bibliothek konnte ein wenig Ordnung definitiv vertragen. Insbesondere die Bücher und Bücherregale, zumindest diese, die noch nicht von Wespen und Motten gefressen wurden. Nach ganzen vier Tagen, konnten wir Donnerstag schließlich unsere getane Arbeit bewundern, nächstes Jahr werden noch die Wände dekoriert und eine Computerecke eingerichtet.

 

Als Dank dafür ließ und Chester am letzten Schultag des Jahres, dem 5. Dezember mit 35 Schülern auf einen Gamedrive auf Initiative des Ecoclubs Livingstones in den Nationalpark mitfahren. Auch wenn die Bezeichnung Ecoclub nicht wirklich das Umweltbewusstsein der Sambier, soweit es vorhanden ist, thematisiert (der Busmotor wird auch schonmal eine dreiviertelstunde angelassen, wenn es eine Pause gibt), die Vorträge zur Konservierung des Wildlifes in Sambia waren zumindest im Ansatz interessant. Spruch des Tages: „Büffel sind Fleisch für Löwen, Impalas nur Gemüse!“

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