Und ab in die Wüste - unser Trip nach Namibia

2 Millionen Menschen auf einer Fläche zweieinhalb mal so groß wie Deutschland – Namibia gehört nicht nur zu den dünnbesiedelsten und damit naturbelassensten Ländern der Erde, sondern auch zu den trockensten. Die Entscheidung, unsere erste große Reise nach Namibia zu machen, viel auch deswegen leicht, da insgesamt 15 Freiwillige dort tätig sind, ein Besuch, der uns viele interessante Einblicke in ihren Alltag und auch in ihre Projekte brachte.

Die Planung lief dabei schon sehr afrikanisch ab. Zwei Wochen vor Abfahrt fingen wir an, uns mit Dingen wie Unterkünften oder Reiseroute zu kümmern ;-) Aufgrund der Zusage eines Freundes mit nach Namibia zu kommen und uns dort ein Auto zu organisieren, hatten wir uns um einen Mietwagen erst gar nicht gekümmert. Dass es mit dem Auto doch nicht klappt, ließ er uns dann 5 Tage vor Abfahrt wissen – was tatsächlich nicht wirklich überraschend war. Zuverlässigkeit ist keine Stärke der Sambier. Immerhin sind die meisten Leute hier wieder so zuverlässig unzuverlässig, dass man sich gut darauf einstellen kann. Dass man irgendwie immer einen Weg und eine Lösung findet, gehört zu den Dingen, die sich hier immer wieder eindrucksvoll bestätigen und was ich sehr zu wertschätzen gelernt habe. So auch als unsere erleichtert gefeierte Mietwagenbuchung 2 Tage vor Abfahrt aus Windhuk storniert wurde.

Doch zunächst der Reihe nach: 20 Stunden Busfahrt liegen zwischen Livingstone und Windhuk, was gefühlt jedoch eindeutig schneller von Statten geht. Nach ca. 5 Passkontrollen mitten in der Nacht, kamen wir am 7. Dezember früh morgens in Namibias Hauptstadt, Windhuk an, exakt in der geographischen Mitte Namibias gelegen. Drei Nächte Aufenthalt waren geplant, ausreichend Zeit, um uns die Stadt anzugucken und uns mit den Windhuk-Freiwilligen auszutauschen. Unser erster Eindruck der Stadt: sehr, sehr europäisch. Der Kulturschock fast größer als zu Beginn in Livingstone, insbesondere als wir durch eine der Shoppingmalls Windhuks gelaufen sind. Eine Sache, die uns besonders aufgefallen ist: die fast schon deutsche Unfreundlichkeit der Leute hier. „Grumpy faces“ wohin man auch guckt, vielleicht liegt das auch einfach nur am Kontrast zu Sambia, dem freundlichsten und höflichsten Land, das ich kenne. Und eine andere Sache, die uns auch sehr geschockt hat: die Trennung von reich und arm, schwarz und weiß und sonstigen sozialen unterschiedlichen Gruppen. Ob Buren, Damara, Deutsche oder Herero, Integration zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen ist unseren Eindrücken nach nur in geringem Maße vorhanden. Rassismus ist immer noch ein großes Problem in Namibia. Auch die Windhuk-Freiwilligen haben recht wenige Kontakte, was uns sehr überrascht hat. Geschuldet vielleicht auch ihrer sehr luxeriösen Unterkunft, gerade für einen Freiwilligendienst sehr übertrieben. Am Dienstag schauten wir uns das Projekt von zwei Freiwilligen in Katutura, einem der beiden großen Townships in Windhuk, an, was uns wiederum sehr gut gefallen hat. Die Kinder, weitaus temperamentvoller als in Sambia, freuten sich über unseren Besuch und hatten sichtlich Spaß an der Arbeit mit den Freiwilligen, die hier neben Sport auch den Unterricht unterstützen.

Auch die Stadt schauten wir uns ein wenig an, wie das Nationalmuseum, den Kapanamarkt oder Goreangab-Stausee.

Und zurück zu unserer Reise: Einen Mietwagen einen Tag vor Abreise zu organisieren benötigte im Endeffekt eine knappe Stunde. Bereits beim zweiten Anbieter wurden wir fündig – unserer Reise konnte damit nichts mehr im Weg stehen. Unser erstes Ziel lag unmittelbar in der Nähe von Windhuk, der Daan-Viljoen-Gamepark. Daher war dessen Besichtigung als Tagestour geplant. Auf einer knapp 5 stündigen Wanderung lernten wir das erste Mal etwas von Namibias Natur kennen, immer wieder mit spektakulären Blicken auf das etwa 25km entfernte Windhuk und die Berge, die den Talkessel, in dem Windhuk liegt, begrenzen. Auch zahlreiche Tiere ließen ich blicken, wie Zebras, Gnus, Elenantilope, Kudu oder Oryx. Sehr interessanter und lohnenswerter Ausflug.

Abfahrt in Windhuk dann am Morgen des nächsten Tages, am 10. Dezember. Vollbeladen im VW Polo Vito Richtung Wüste, zu unserem nächsten Ziel: Sossusvlei im Naukluft-Nationalpark. Nach knapp 100 km Asphaltstraße, dann die erste Strecke Schotterpiste, gerade ohne Allrad eine holprige Angelegenheit, die uns noch auf den nächsten 1000 km begleiten sollte. Die scheinbar endlos langen Pisten führten uns durch die unglaubliche Weite Namibias und mitten durch die Trockenheit. Mit einer Panne liegen bleiben möchte man hier wirklich nicht. Die Vegetation wurde weniger, je näher wir unserem Ziel kamen, Sand und Fels dominierten zunehmend die Landschaft. Gegen Abend erreichten wir den Sesriem Campingplatz, Ausgangspunkt für die Touren zum 60km entfernten Sossusvlei, wohin wir am nächsten Tag dann unser erster Trip unternahmen. Sossusvlei ist das normalerweise trockene Flussdelta des Tsauchabflusses, der hier inmitten der Dünenwüste im Sand versickert. Lediglich bei viel Niederschlag kann der Tsauchab Wasser führen, wodurch sich an der Mündung aufgrund der wasserundurchlässigen Lehmschichten ein kleiner See bildet. Verdunstet das Wasser bleiben weitläufige Salzflächen zurück, die das Wasser mitgeführt und dort abgelagert hat. Obwohl Sossusvlei sich nur auf die Mündung des Tsauchab bezieht, wird es auch Bezeichnung für die gesamte Region genommen, wie für das Dead Vlei, „Big Daddy“-Düne, Hidden Vlei und Dune 45. Dune 45 stellte gleichermaßen auch unsern ersten Stopp dar. Aufgrund ihrer charakteristischen Form und Nähe zur Straße ein beliebter Anhalts- und Aussichtspunkt. Auch wir bestiegen die Düne fast bis zur Spitze, um anschließend mit einem Heidenspaß wieder herunter zu sprinten. Weiter ging es bei drückender und unglaublich trockener Hitze von etwa 40°C zum Sossusvlei, die letzten 5 km 4x4-Piste auf der Ladefläche eines Pickups von einer deutschen Familie aus Namibia. Sehr beeindruckend die Salzpfannen, umgeben von den mehreren hundert Meter hohen Dünen. Die Besteigung von „Big Daddy“, der wohl höchsten Düne im Sossusvlei und einer der höchsten der Welt, mussten wir zwar streichen, da wir nicht wussten welche der Dünen die höchste und damit „Big Daddy“ war (sie erschien uns definitiv auch nicht als die höchste wie wir später feststellten), dafür unternahmen wir die kleine Wanderung zum „Dead Vlei“, dem wohl berühmtesten Ort von Sossusvlei. Knapp 1000 Jahre alte, vertrocknete Bäume markieren hier das ehemalige Mündungsgebiet des Tsauchab. Die trockenen Bedingungen trugen zur Konservierung der Bäume bei. Der Kontrast zwischen roten, mehrere hundert Metern hohen Dünen, schwarzen Bäumen, weißem Salzboden, sowie blauem Himmel mit weißen Wolken boten beste Voraussetzungen für geniale Fotos. Ein wirklich einzigartiger Ort auf der Erde. Die Fotos könnt ihr auf meiner Gallerie anschauen :-) Auch da ich an dem Tag etwas krank war, fuhren wir bereits etwas früher zum Campingplatz zurück. Abendessen mit Koyoten, Oryxen, Sträussen und Springböcken, die ums Zelt herumlaufen und einem einmal wieder sehr beeindruckenden Sternenhimmel.

Am nächsten Tag ging es erneut Richtung Dünen zum Sossusvlei. Diesmal wanderten wir zunächst 2km zum Hiddenvlei, ebenfalls ein Tal mit großer Salzpfanne, allerdings nicht so viele vertrocknete Bäume wie im Dead Vlei. Nachdem wir sowohl Sossusvlei als auch den Tsauchab und die Straße nicht mehr sehen konnten, waren wir komplett von der Wüste eingeschlossen. Auch wenn es nicht weit vom Parkplatz entfernt war, vermittelte dies schon ein recht mulmiges Gefühl, der Verlust der Orientierungsfähigkeit in der Wüste ist definitiv kein Mythos. Auch das Hidden Vlei ist ein sehr interessanter Ort, etwas größer als das Dead Vlei. Von dort wanderten wir immer gegen Westen in Richtung Talausgang querfeldein über die Salzpfannen, ehe wir wieder Kurs Richtung Straße nahmen. „Big Daddy“ schafften wir auch an diesem Tag nicht, bestiegen dafür aber eine andere vielleicht sogar höhere Düne, zumindest soweit, wie wir es bis Sonnenuntergang noch schafften. Der Weg entlang des Dünengrads war der ultimative Härtetest bisher. Gefühlt ein Schritt vorwärts, zwei wieder zurück, wodurch wir es nur etwa zwei Drittel der Höhe schafften. Die Aussicht war von dort nicht wirklich schlechter. Und mal wieder unglaublich spektakuläre Blicke, die ich zumindest annähernd mit meiner Kamera festhalten konnte.

Am nächsten Morgen besichtigten wir den Sesriem-Canyon, eine schmale Schlucht in der Nähe des Campingplatzes, durch die sich der Tsauchab bis zu 30m tief in den Fels gefressen hat, bevor er den Weg in Richtung Sossusvlei auf sich nimmt. Gegen Mittag verließen wir dann Sesriem und fuhren in Richtung Küste, noch am Abend wollten wir Walvis Bay erreichen. Knapp 300km „Gravel Road“, also namibische Schotterpiste, galt es zu bewältigen. Ohne Probleme kamen wir am späten Nachmittag in Walvis Bay an, wo wir bereits von den zwei Walvis Bay-Freiwilligen erwartet wurden. An der Küste verbrachten wir insgesamt fast eine Woche, auch deswegen weil wir einfach eine super Truppe zusammen hatten (insgesamt 10 Leute, da neben den beiden Freiwilligen aus Swakopmund noch 3 Freiwillige aus Windhuk, Rehoboth und Ehana im Norden von Namibia dazu kamen). Länger hätten wir es aufgrund der eisigen Temperaturen an der Küste von zum Teil weniger als 15°C sowieso nicht ausgehalten ;-) Zunächst besichtigten wir auch hier das Projekt der beiden Walvis Bay-Freiwilligen, was uns ebenfalls sehr gut gefallen hat. Auch ein Projekt mit Kindern aus dem Township, die dort unter sehr armen Bedingungen aufwachsen, daher sehr glücklich darüber sind, eine Möglichkeit zu erhalten, Sportunterricht zu bekommen. Auch im 35 km entfernten Swakopmund waren wir das ein oder andere Mal, die Stadt ist tatsächlich nochmal eine Spur deutscher als Windhuk. Wirklich wohl gefühlt habe ich mich dort nicht, man hat eher das Gefühl an der Nordseeküste zu sein als in Afrika.

Die nächsten vier Tage: surfen, Quad fahren und Fallschirmspringen :-D What a blast of a time !!!

Samstag, den 19. Dezember ging es dann weiter zu unserem nächsten und letzten Ziel, der Spitzkoppe in den Erongobergen. Mit an Bord: Lucian, Freiwilliger aus Windhuk, der an der Küste dazugestiegen ist. Ein Zwischenstopp bei Cape Cross stand an diesem Tag auch auf dem Programm. Dort befindet sich eine der größten Robbenkolonien der Welt. Sehr eindrucksvoll war es allemal, auch wenn ich mich an den Geruch nicht unbedingt so gerne zurück erinnern möchte ;-)

Abends erreichten wir nach weiteren 200km „Gravel Road“ schließlich die Spitzkoppe, ein steiler Inselberg inmitten der flachen Savannenlandschaft. Nach der ersten Nacht auf dem schönen Campingplatz direkt in der Nähe des großen „Rock arches“, planten wir am nächsten Tag einmal um die Spitzkoppe herumzulaufen. Zunächst folgten wir nicht den Wegen und liefen entlang des Berghangs etwa ein Drittel der Strecke, was jedoch enorm anstrengend war. Den letzten Teil dann auf der 4x4 Piste (die sich jedoch auch mit dem Polo bewältigen ließ, wie wir zwei Tage später ausprobierten), was auch deutlich schneller ging. Dennoch waren wir ordentlich erschöpft, als wir unseren Startpunkt wieder erreichten. Für den darauf folgenden Tag haben wir beim Campingplatz einen Führer gebucht, der uns zum „Bushman's Paradise“ in die Pontok Mountains direkt neben der Spitzkoppe führte. Das Highlight der Tour: die 2000-4000 Jahre alten Felszeichnungen der ersten Siedler dort. Im Anschluss bewältigten Nina, Lucian, Lukas und ich die 20 km lange Rundtour um Pontokmountains und Spitzkoppe mit dem Polo. Auf halber Strecke stiegen wir aus, um Daub-Höhle, „Golden Snake“-Felszeichnung und kleinen Rockpool anzuschauen.

Gegen Abend brachen wir Richtung Windhuk auf. Auch wenn es nicht die beste Idee war, die Strecke nachts zu fahren, kamen wir unbeschadet in Windhuk an, ein Springbock entkam uns gerade noch um Haaresbreite. Zwei Nächte blieben uns schließlich noch in Windhuk, ausreichend Zeit um uns mit den anderen Freiwilligen über die Erlebnisse unserer Reise auszutauschen. Mit fast allen Freiwilligen aus Namibia gingen wir dann am letzten Abend feiern, ein würdiger Abschluss eines grandiosen Urlaubs.

Und als wir am 24. Dezember nach 23 Stunden Rückfahrt aus dem Bus in Livingstone ausstiegen, waren wir zunächst mal überwältigt von der sambischen Fröhlichkeit, mit der wir von unseren Freunden empfangen wurden. Nicht schlecht das Gefühl wieder zu Hause zu sein :-)

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Unbekannt (Freitag, 15 Januar 2016 13:27)

    Sehr schön Lucas! Interessant auch der Kontrast zwischen Namibia und Sambia. Ich würd Sambia vorziehen. Wobei deine Schilderungen zur Natur super klingen. Zum Glück konnte der Springbock noch entkommen, dass hätte gerumst!
    LG

  • #2

    Franz (Freitag, 15 Januar 2016 15:54)

    Ich werde ganz neidisch, wenn ich deine Erlebnisse höre...
    Die Natur in Namibia ist wirklich einmalig und die namibianische Heiterkeit findet man auch wenn man sich mit den richtigen Leuten trifft ;-)
    Viel Spaß noch

  • #3

    Lucas (Sonntag, 24 Januar 2016 16:52)

    Danke für die Rückmeldung.
    Klar, natürlich gibt's auch namibianische Heiterkeit. Ich hoffe, dass meine Eindrücke unserer kurzen Zeit in Namibia, insbesondere aus Windhuk, kein falsches Bild abgeben ;-)