Trip nach Südafrika und Lesotho

Südafrika und Lesotho – das vielleicht bekannteste und unbekannteste Land Afrikas. Auf der einen Seite ein kleines Binnenland, das nur aus Bergen zu sein besteht, auf der anderen Seite das riesige Südafrika mit seiner unglaublichen Vielfalt. Ein Kontrast, der durch die unterschiedlichen Kulturen nicht besser betont werden könnte.

Von Livingstone bis Johannesburg geht es einmal quer durch Simbabwe, knapp 22h Busfahrt. Neben Lukas auf der Reise noch mit dabei: Sizwe, unser Freund aus Mukuni Village, mit dem ich dort die Fußballteams trainiere. In Johannesburg angekommen, erstmal der Windhoek-ähnliche Schock aufgrund der westlichen Atmosphäre dort, alles sehr modern, sehr unfreundlich und – im Gegensatz zu Windhoek, unglaublich riesig. Johannesburg ist die mit Abstand größte Stadt, in der ich bisher war, was ich bereits bei unserer Zwischenlandung auf dem Weg nach Livingstone letzten August ausmachen konnte. Wirklich wohl habe ich mich dort nicht gefühlt, im Hinterkopf immer die sehr hohen Kriminalitätsrate des Landes, die sich uns während unseres Aufenthalts zum Glück nicht bestätigt hat. So ließen sich gruselige (leider ernstgemeinte) sambische Schauermärchen über wilde kannibalische Sulustämme nicht mit aussagekräftigen Belegen bestätigen. Auf Vorsicht wurde uns jedoch auch von weniger vorurteilsbelasteten Sambiern zuvor hingewiesen.

Seis drum, wir und unser Zeug fanden allesamt auch wieder sicher zurück nach Sambia. Von Johannesburg ging es dann mit unserem Mietwagen auf direktem, unerwartet gut asphaltiertem Wege in die Drakensberge zum Royal Natal Nationalpark mit Amphitheatre und Tugela Falls. Wovon wir am meisten überrascht wurden: Die unmenschliche Kälte nachts (zumindest kommen einem 5° unmenschlich vor, wenn man seit über einem Jahr nicht mehr so gefroren hat). Tagsüber hingegen wurde es trotzdem recht heiß, unsere fast 7 stündige Wanderung am nächsten Tag zum Fuße der Tugela Falls, den offiziell zweithöchsten Wasserfällen der Welt, war demnach auch echt anstrengend. Belohnt wurden wir nicht unbedingt von 948m in die Tiefe hinabstürzende Wassermassen – die Tugela Falls führten zur derzeitigen Zeit in etwa so viel Wasser wie ein undichter Wasserhahn – hingegen von einer einzigartigen Berglandschaft gekrönt von den über 1000m senkrecht abfallenden Felswänden der 3000er des Amphitheaters, das übrigens aufgrund seiner U-förmigen Bergkette so benannt wurde. 948m Höhe und 0,2m Breite also anstatt 1708m Breite und 100m Höhe, um die Tugela Falls mal mit den Viktoriafällen zu vergleichen, die im April ihren höchsten Wasserstand erreichen und damit einen eindrucksvollen Wasservorhang von Sambia nach Simbabwe bilden. Tugela heißt übrigens so viel wie „der Startende“, bezogen auf seine sich plötzlich ändernde Wassermenge nach Regenfällen oder Schneeschmelze. Die Wanderung insgesamt sehr lohnenswert, auch wenn ich mir eine dicke Erkältung auf dem Rückweg zuzog.

Am nächsten Tag bereits der verfrühte Aufbruch in Richtung Lesotho. Eine eindrucksvolle Fahrt durch die südafrikanische Landschaft der nördlichen Drakensberge wie den Golden Gate Highlands Naionalpark endet mit einer Übernachtung in dem kleinen Ort Ficksburg. Ohne großartig Zeit zu verlieren, geht es am nächsten morgen nach Lesotho. Unser Willkommensgeschenk: Gefängnisdrohung aufgrund von Überladung. Wirklich Sinn machte weder der Vorwurf der Überladung – mit so wenig Equipment bin ich tatsächlich mit drei Personen zuvor noch nie campen gefahren – als auch die Argumente der Polizeibeamten, die nicht nur wegen ihrer Manchester United Trikots wenig seriös wirkten. Von den verlangten 1500Rand (knapp 100€) sind wir mit 150Rand davon gekommen, dennoch 150Rand zu viel, die im Schlund der Korruption gelandet sind. Doch was will man machen? Ein Maschinengewähr ist als Argument eben doch stärker...

Nun glücklicherweise blieb dies der einzige Vorfall dieser Art in Lesotho und auf unserer Reise insgesamt. Insbesondere nachdem wir Lesothos Hauptstadt Maseru verlassen hatten, kamen mehr und mehr die Seiten Lesothos zum Vorschein, die uns dazu bewegten, dieses unbekannte Land zu besuchen. Nun, im Prinzip ist Lesotho das Gegenteil der stereotypischen europäischen Vorstellung Afrikas. Wer überhaupt kann sich vorstellen, dass es in Afrika ein Land gibt, das im Winter nahezu komplett mit Schnee bedeckt ist? Ein Land, das so bergig, kalt und isoliert ist, das selbst der berühmte Suluhäuptling Schakasulu damals einen großen Bogen um das Land gemacht hat und lieber ein Dutzend anderer Stämme und Länder unterwarf oder ausrottete. Gut für die traditionelle Kultur des sehr ländlichen Reiter- und Hirtenvolkes. Der Kontrast zu Südafrika ist enorm, noch nie habe ich diesen Sprung von entwickeltem Land zu Entwicklungsland so deutlich vor Augen geführt bekommen. Lediglich die Straßen waren in außerordentlich gutem Zustand – zu unserem Glück, die steilen Passstraßen haben unserem Chevrolet Spark auch schon so erhebliche Schwierigkeiten unterbreitet, sodass wir knapp 3h für 100km benötigten, ehe wir in Semonkong, dem Ort des Rauches, wie es in der einheimischen Sprache heißt, ankamen. Untergebracht waren wir in der wunderschönen Semonkong Lodge direkt am Ufer des Maletsunyane Baches, der wenig später 200m als Maletsunyane Wasserfall in eine Schlucht stürzt. Dessen Besichtigung war auch Hauptgrund für unsere Fahrt nach Semonkong. Am nächsten Tag fuhren wir dafür eine kurze Schotterpiste zur gegenüberliegenden Seite der Schlucht, von wo wir einen genialen Blick auf den eindrucksvollen Wasserfall hatten. Ein persönliches Highlight für mich: der höchste kommerzielle Abseil an der Steilwand direkt neben dem Maletsunyane Wasserfall.

Am dritten Tag verließen wir Lesotho bereits wieder, diesmal im Süden. Die gesamte Nacht fuhren wir durch, ehe wir am Morgen um 6 Uhr in Port Elizabeth an der Südküste Südafrikas ankamen. Eine knappe Woche hielten wir uns dort auf, bei der Familie Sizwes, der selbst in Port Elizabeth aufgewachsen ist. Kurz trafen wir dort auch Hannah, eine südafrikanische Freiwillige in PE.

Auch besichtigten wir ein Rugbyspiel im ehemaligen Weltmeisterschaftsstadion Nelson Mandela Bay Stadium. Rugby ist der Nationalsport des Landes, doch muss man wirklich hart gesotten sein, um sich diesen Sport anzutun. Auch sehr empfehlenswert: der Ausflug in den Addo elephant nationalpark in der Nähe von PE. Die Anzahl an Tieren war eindrucksvoll und, wer hätte es gedacht, nach knapp 8 Monaten Afrika durften wir endlich unsere ersten Löwen sehen ;-)

Lukas und ich unternehmen außerdem noch für 3 Tage einen kleinen Abstecher ca 200km von PE nach Westen bis Plettenberg Bay, einer kleinen und unglaublich reichen Stadt am Meer. So viele Weiße habe ich seit Deutschland nicht mehr auf einem Fleck gesehen. Unsere Wanderung zum Robberg und unser Ausflug in den Garden Route Nationalpark sowie mein Bungeesprung von der Bloukransbridge (mit 216m die höchste Bungeebrücke der Welt) gehörten aber definitiv auch zu den Highlights unserer Reise.

 

Am 26. April ging es dann von PE zurück nach Joburg und am 28. April kamen wir einmal mehr reicher an Erfahrungen schließlich wieder in Livingstone an. Bilder werde ich bald in meiner Galerie hochladen...

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